Bartholomeo Bosco
Geb. 3.1.1793 Turin (Italien)
Gest. 7.3.1863 Gruna bei Dresden

Es heißt, dass Bosco ursprünglich Offizier werden wollte und in das Heer Napoleons eintrat. In der Schlacht von Borodino soll er in russische Kriegsgefangenschaft geraten und nach Tobolsk in Sibirien' gebracht worden sein. Dort schon soll er seine Mitgefangenen mit Zauberkunststücken unterhalten haben.

Es ist nicht belegbar, bei wem er die Zauberkunst erlernt hat und wann er das erste Mal aufgetreten ist. Fest steht, dass er 1821 vor dem König von Hannover auftrat und danach Europa bereiste, 1822 war er in Berlin und zauberte vor dem preußischen König, 1823 vor Alexander von Rußland, 1827 bis 1828 reiste er durch Deutschland, 1832 war er in Lille, 1842 in Helsingfors. Er hat vor vielen gekrönten Häuptern seiner Zeit gearbeitet, zeigte aber auch seine Kunst in den kleinen Städten und Dörfern.

Obwohl er kein anziehendes Äußeres besaß - gedrungener Körper, kurze Beine, einen breiten Kopf - und trotz einer aus mehreren Sprachen gemischten Redeweise hatte er sehr große Erfolge beim Publikum. Diese Erfolge resultierten vor allem aus seiner großen Begabung und seiner Liebe zur Zauberkunst. Er benötigte zum Zaubern fast nur seine Hände, so dass Hofzinser, der größte Könner auf magischem Gebiet jener Zeit, schreiben konnte: "Er ist eben im Besitz eines ausgezeichneten Maschinchens, um das man ihn beneiden könnte. Kein Mechaniker der Welt fertigt dieses an, es hat weder einen Deckel noch einen doppelten Boden, es hat keine Federn und Fächer, und kein Gehilfe ist dazu nötig. Je mehr man es betrachtet, desto unverdächtiger ist es. Und dieses kleine Maschinchen ist seine Hand". Er hatte über 80 Tricks zur Verfügung, von denen er in jeder Vorstellung abwechselnd etwa 20 zeigte. Vor allem das Becherspiel zeigte er in einer Vollendung, die kaum jemand vor ihm erreicht hatte.

Bosco zeigte seine Kunst bis ins hohe Alter, 1856 war er in Köln und 1859 in Nizza. In seinen letzten Lebensjahren wohnte er in Gruna, dem Heimatort seiner Frau. Dort liegt er auf dem alten katholischen Friedhof begraben, und sein Grab wird vom magischen Zirkel Dresden betreut.
Noch zu seinen Lebzeiten, vor allem aber nach seinem Tod, bedienten sich viele Zauberkünstler seines Namens, nur einer war aber dazu berechtigt, sein unehelicher Sohn Eugen Bosco, der 1823 oder 1829 in Italien geboren wurde. Ab 1850 bereiste auch er Europa als Zauberkünstler.

(Jochen Zmeck: Wunderwelt Magie
mit freundlicher Genehmigung des Autors)