Okito

der erste, der ohne zu sprechen arbeitete, war Theo Bamberg. Er mußt bereits als Elfjähriger seinem Vater auf der Bühne assistieren. Für ihn gab es keinen anderen Beruf als Zauberkünstler. Da traf ihn achtzehnjährig ein böses Mißgeschick: Er erlitt beim Schwimmen einen Unfall, der ein Gehörleiden und fast völlige Taubheit zur Folge hatte. Das war gleichbedeutend mit einer Aufgabe eines Berufes, denn damals mußte ein Zauberer mit dem Publikum sprechen, und das wiederum war nur möglich, wenn er die Leute auch hören konnte. Theodor fand die Lösung dieses schwierigen Problems in der stummen Darbietung. Dem Publikum begründete er sein Nichtsprechen dadurch, daß er den Ausländer spielte, einen Japaner. Kostüme wurden angefertigt, Requisiten gebaut, ein Knabe als Assistent angelernt und durch Umstellung des Wortes Tokio der Künstlername Okito geschaffen. Mit klopfenden Herzen der Beteiligten stieg in Berlin die Premiere, doch der Erfolg übertraf alle Erwartungen.

Als eines Tages neue Kostüme benötigt wurden, wegen verheerender Erdbeben in Japan aber keine zu bekommen waren, stellte Okito seine Nummer kurz entschlossen auf chinesische Kostüme und Dekorationen um. Und so blieb es dann, fünfundvierzig Jahre lang reiste der Holländer Bamberg als Chinese mit einem japanischen Namen um die Welt. Sein Sensationsstück war »die schwebende Kugel«. Unzählige haben sie kopiert, doch niemand hat das Original auch nur annähernd erreicht. Sicher ist, daß auch bei Okito ein Faden im Spiel war, doch er war auch auf hellster Bühne nicht zu sehen. Dieser Trick gelang keinem seiner Nachahmer, bei ihnen hing die Kugel, schaukelte, wurde gezogen und geschoben, aber sie schwebte nicht!

Auch Okitos Sohn Fu Manchu wurde einer der führenden Magier Südamerikas.

Die Bambergs aus Holland, deren vorletzter Sproß Okito war, sind die berühmteste aller bekannten »Zauberdynastien«. Die Familiengeschichte beginnt mit Eliaser Bamberg, der 1760 geboren wurde und als einer der besten Zauberkünstler seiner Zeit galt. Er hatte bei einer Explosion auf einem Kriegsschiff ein Bein verloren. Doch machte er aus der Not eine Tugend und baute sich in seine Prothese ein Geheimfach ein, das er geschickt als »Servante« benutzte. Im Volksmund hieß er nur » Amadeus der hölzerne Teufel«.

Sein Sohn David Leendert Bamberg wurde Mechaniker, dessen Sohn Tobias desgleichen. Beide betrieben die Magie nur als Amateure. Der nächste Sproß war David Tobias Bamberg, der als "Papa Bamberg" bekannt geworden ist. Er war ein sehr geschickter Kartenkünstler und bereiste die halbe Welt. Auf einer großen Orientreise nahm er seinen Sohn Theodor mit, vielleicht stammt daher dessen Liebe zum Orient. In der Familie Bamberg haben wir den einmaligen Fall, daß sich 7 aufeinanderfolgende Generationen mit der Magie beschäftigt haben.

(Jochen Zmeck: Wunderwelt Magie
mit freundlicher Genehmigung des Autors)