Bedeutung der Musik in der Magie
 
             Passende Auftrittsmusik
 
 
 Frage: Wie bekomme ich die passende Musik für meine Show
 
Auftrittsmusik
Dies ist eines der schwersten Kapitel in der Zauberkunst. Ich selbst habe nur sehr wenige Darbietungen in meiner Laufbahn erlebt, wo die Musik richtig zur Show passte. Copperfield in seinen sehr jungen Jahren, Fredo Marvelli und Cardini sind einige der wenigen positiven Beispiele. Meistens ist es jedoch ein Konglomerat unterschiedlicher Musikstile, welche mehr oder weniger gekonnt (wie beispielsweise auch beim Eiskunstlauf) zusammengeschnitten wurden. Das Resultat ist auch dementsprechend. Es passt vorn und hinten nicht mit den Tricks zusammen und ist auch in der Mitte bei der Showpräsentation äußerst unbefriedigend. Alles hat dann keine Dramaturgie.
 
Ein sehr teurer Ausweg ist natürlich, sich die Musik von einem befähigten Komponisten für seine Show selbst komponieren zu lassen. Der sieht sich die Show an und komponiert dann nur für Sie eine Showmusik welche auch ihr Original ist. So haben Sie ein sehr teures Unikat. Aber fast alle Komponisten scheitern daran, dass sie die Dramaturgie der Show niemals mit der Musik in Übereinstimmung bringen können. Sollte es wirklich wider Erwarten doch einmal gelingen, haben Sie einen weiteren Nachteil. Sie dürfen in der Show nichts mehr verändern, weil sonst absolut nichts mehr stimmig ist.
 
Mein Weg
Da ich diese Situation gründlichst analysiert hatte, kam für mich nur ein anderer Weg in Frage. Dieser war zwar der schwerste von allen, wurde aber für meine Show zum Welterfolg. In vielen Ländern, in denen ich gastierte, haben Zauberkünstler versucht meinen Stil zu kopieren, sind aber daran gescheitert, weil sie ihre eigene Show immer nur mit den Augen eines Magier angesehen haben. So gab es meines Wissens niemals auf der Welt eine so perfekte Musiksynchronisation mit den magischen Tricks, wie ich sie in Zusammenarbeit mit guten Regisseuren erreichen konnte.
 
Die Idee
Kernpunkt meiner Gedanken war eine Musik zu nehmen, welches in der Musikszene bereits Rang und Geltung hatte. Es konnte demzufolge nur ein bereits international sehr erfolgreiches Werk sein, das die Grundlage meiner Show bilden sollte. Ohne dieses Musikstück zu verändern, zu kürzen oder zu verfälschen, musste dieses so bestehen bleiben, wie es ursprünglich komponiert wurde. Nach der Dramaturgie der Musik erfolgte erst die Trickauswahl, welche sich zu 100% in die Musik einzufügen hatte. Musik, Show, Trick und Interpretation mussten dann eine künstlerische Einheit bilden, bei der aber die Musik dominierte.
 
Die Auswahl
Da ich mir bewusst war, dass dies ein sehr langer mühevoller Weg werden würde, konnte nur ein Werk aus der Klassik dafür in Frage kommen. Moderne Musiken veralten zu schnell in Interpretation und auch die Stilrichtung verändert sich in zu kurzen Zeitabständen. Die dann aufgewandte Arbeit würde sich nicht rentieren, da die Show dann unmodern wirken würde. So war ich die nächsten Wochen damit beschäftigt mir jeden Tag 6-8 Stunden klassische Musik anzuhören und mir dann dazu Trickfolgen vorzustellen, welche auf diese Musik dann realisierbar wären und deren Trickhöhepunkte mit den musikalischen Höhepunkten übereinstimmten. Ich maß das Zeitmaß jeweils für Trickdauer und Musikabschnitt unter Berücksichtigung entsprechender Showpräsentation. Meine Frau fand schließlich das Musikwerk, welches Grundlage unserer Schau werden sollte. Es war der "Tanz der Stunden" aus der Ballettmusik der Oper "La Gioconda"
 
Die Umsetzung
Jetzt kam wieder eine bittere Zeit. Viele Tricks gingen doch nicht. Oft fehlten nur wenige Sekunden in der Zeit um die Höhepunkte zu 100% synchron zu bekommen. Oft war Zeit übrig die nicht gefüllt werden konnte, ohne den gesamten Spannungsbogen zu verlieren. Viele Effekte, an denen mein Herzblut hing und die ich sehr liebte, mussten aus der Show verschwinden, weil sie absolut nicht in das musikalische Konzept passten. Andere Showeffekte, welche ich immer verabscheut hatte, kamen in die Show, nur weil sie hier eine musikalische Begründung hatten. So entstand nach weiteren Monaten intensiver Arbeit das stimmige Grundgerüst meiner Show.
 
Der Grundgedanke
Es sollte eine Show sein, bei der Frau und Mann eine völlig gleichwertige Partnerschaft auf der Bühne hatten. Ich wollte in dieser Show die absolute Gleichberechtigung von Mann und Frau demonstrieren. Demzufolge musste Handlung und Trickauswahl entsprechen auf gebaut werden.
 
Es durften in dieser Show keine Horroreffekte stattfinden. Sämtliche Gegenstände mit denen Menschen und Tiere verletzt werden könnten, waren tabu. Es gab also keine Tricks mit Messer, Degen, Pistolen etc. Dieser humanistische Grundgedanke war Vorbedingung und stand Pate bei der Auswahl aller Tricks.
 
Die Inszenierung
Jetzt kam der schwerste Schritt. Die Erarbeitung einer künstlerischen Interpretation, dem musikalischen Gegebenheiten unterordnend. Jede Bewegung, jede Partnerbeziehung, jede Bühnenaufteilung musste künstlerisch genau dem Zeitmaß der Musik unterstellt werden. Jede Bewegung musste im Charakter genau mit dem Charakter der Musik harmonieren. Ich merkte, dass ich ca. 90% der Zeit hierfür brauchte, dagegen nur etwa 10% der Gesamtzeit für die perfekte Trickausführung aufzuwenden hatte.
 
Der Erfolg
Der Stil dieser Show, welche von Kritikern in der ganzen Welt als Unikat bezeichnet wurde, konnte bisher niemals kopiert werden. Die Erarbeitung war zu arbeitsintensiv. Wochenlang bis zu 8 Stunden Probe täglich sind ein harter Job gewesen. Aber ich brauchte in meinem ganzen Leben dann niemals mehr etwas anderes machen. Ich konnte bis zu meiner Rente nur von dieser Show leben.
 
Verlorene Ideen
Zwei große Inszenierungen hatte ich noch im meiner Schublade, welche ich verwirklichen wollte. Ich hatte vor vielen Jahren eine Inszenierung für ein großes Tourneeprogramm, welches über 2 Jahre ging, mit dem tanzenden Taschentuch (Blackstone) gemacht. Diese Inszenierung nach der Musik von "Gesang der Jünglinge II" von Stockhausen war sehr erfolgreich. Weil auch hier eine völlige musikalische Übereinstimmung vorlag.
 
Ebenfalls in der Schublade hatte ich die neue Musik für eine Neuinszenierung der Zombi-Kugel. "Die Hebriden" von Felix Mendelson Bartholdi ist eine perfekte Musik für eine solche Show. Aber nur für einen sehr guten Pantomimen, welcher auch die Effekte gegen Wind etc. und die Schwebungen körperlich umsetzen kann. Wenn hier die Höhepunkte von Musik, Körper und Kugel perfekt aufeinander abgestimmt werden, könnte eine neue Weltdarbietung entstehen in einer einmaligen Interpretation. Aber ich mache es nicht mehr. Vielleicht greift ein anderer diese Gedanken auf und interpretiert diese. Meinen Segen hat er.