Sonstige Themen
 
             Trickerklärungen - Ehre - Moral - Glaubwürdigkeit
             Aberglaube - von Zaubersprüchen, Zauberstäben und Hexen
             Umgang mit Gewalt in der Kunst
             Firma Zauberkönig
             Siegfried & Roy - The Magic Box
 
 
 Frage: Welche Maßstäbe waren für Deine Arbeit wichtig?
 
Trickerklärungen - Ehre - Moral - Glaubwürdigkeit
 
Selbstverständlich gibt es zum Thema Trickerklärung unterschiedlichste Meinungen und Standpunkte. Ich selbst würde mir niemals von anderen vorschreiben lassen, welche Handlungen ich zu begehen und welche ich zu unterlassen habe. Meine Handlungen entstehen aus der eigenen inneren Wertung der Dinge. Weshalb ich keine Tricks erkläre, hat einen ganz einfachen aber anderen Grund: Diese Tricks sind nicht mein eigenes, geistiges Eigentum; und allein dieser Umstand ist ein hoher moralischer Anspruch und verbietet es mir, mit dem geistigen Eigentum anderer hausieren zu gehen.
 
Nun gibt es aber eine Unmenge von Trickerklärungen, die für das normale Publikum sehr leicht zugänglich sind, über Zauberbücher, Zauberkästen und auch in neuerer Zeit durch die inflationsartige Zunahme von Erklärungen über die Online-Dienste, was die dort sehr hohen Abfrageraten beweisen. Sehr viele interessieren sich so vor allem für die Geheimnisse der großen Magier. Man sollte derartige Tendenzen jedoch nicht überbewerten, denn in der Regel werden solche Informationen sehr schnell wieder von aktuelleren Eindrücken überlagert. Die Welt ist heute zu schnelllebig geworden, und die tägliche große Informationsflut verhindert, das sich alles im Gedächtnis speichern kann.
 
Nur der wirklich ernsthaft Interessierte wird sich im Detail an die spezifische Trickausführung erinnern. Damit ist aber auch die große Chance für die Entwicklung außergewöhnlicher Darbietungen gegeben und auch die Gewähr dafür, dass vordergründig das große Gesamterlebnis zunehmend in den Vordergrund rücken und im Gedächtnis der Zuschauer verhaftet bleiben wird. Dann spricht man nicht mehr nur vom sensationellen Trick, sondern vom hervorragenden Künstler, an den man sich sehr gern erinnert.
 
In bestimmten Situationen können Trickerklärungen aber auch notwendige Voraussetzung sein, wenn es z. B. darum geht, labile Personen von okkulter Abhängigkeit zu befreien. Gubisch hat in dieser Hinsicht früher sehr viel mit seinen Vorträgen bewirkt. Mit dieser Akzentuierung verlangt dieses Thema allerdings die öffentliche Diskussion. Eine Auseinandersetzung nur in der Fachliteratur greift hier zu kurz. Deshalb sollte hier ein Erklärungsverbot der öffentlichen Aufklärung niemals hinderlich im Wege stehen. Ich persönlich befürworte diese.
 
Dies sind Richtlinien, die sich jeder Künstler selbst setzen und nach denen er handeln sollte. Ich rede jetzt unmissverständlich von Künstlern und nicht von irgendwelchen Trickvorführern, denen es nur um die schnelle und leicht verdiente Mark geht. Jeder Künstler steht immer im Spannungsfeld der Gesellschaft. Er sollte seine eigenen Maßstäbe setzen, die immer unverwechselbar sein eigenes Profil verdeutlichen. Und wenn es sein muss und seiner Grundauffassung entspricht, sollte er auch gegen den Strom schwimmen. Er ist Vorreiter und Vordenker zugleich und meistens immer seiner Zeit voraus, neue Maßstäbe auch für die Allgemeinheit setzend. Er ist beispielsweise auch intelligent genug, die Gesetze der Ästhetik zu kennen und zu befolgen. Es gibt genug Beispiele auch in der Malerei und in der Musik für diese These. Und wenn Zauberei Kunst ist und nicht nur zur reinen Unterhaltung pervertiert, sind diese Maßstäbe auch für einen Zauberkünstler gültig.
Demzufolge ist es wichtiger, sein Publikum zur Kunst zu erziehen und nicht nur seine Bedürfnisse nach Zuschauerresonanz zu befriedigen. Ein Künstler, der sich nur anpasst und kein eigenes Profil beweist, ist kein Künstler, sondern nur ein Zaubertrickvorführer. Es ist deshalb vorrangig dahingehend zu wirken, sowohl die Kunst im Zeitgeschmack zu ändern, aber auch - und vor allen Dingen (und das ist noch wichtiger) - die Sehgewohnheiten der Zuschauer; denn diese Gewohnheiten sind meistens durch ungute Erfahrungen auf einem sehr tiefen Stand.
 
So kann beispielsweise Erziehung des Menschen zum Humanismus auch zur Sache eines Künstlers werden und darf nicht nur der geistigen "Elite" eines Landes vorbehalten sein. Ich denke hier insbesondere an die intelligenten Interviews von Copperfield und seinen persönlichen Einsatz auch für Menschen außerhalb der magischen Szene. Ganz hervorragend und beispielgebend empfinde ich auch Siegfried & Roy in ihrem Einsatz für bedrohte Tierarten und der Erhaltung und Züchtung der weißen Tiger. Mit diesen Aktionen setzen sie als Leit- und Vorbilder bewusst Zeichen für viele andere Menschen. Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen, aber nun wissen Sie bereits, worauf ich hinaus will. Und jetzt zum krassen Gegenteil.
 
So habe ich in einem anderen Beitrag aus einem südosteuropäischen Land berichtet, wo ich einen Zauberer erlebte, welcher den Nürnberger Trichter an den Hosenschlitz eines Zuschauer hielt, aus dem dann Wasser lief. Aber auch in unserem eigenen Land sind wir dem nicht mehr weit entfernt. So sah ich im Fernsehen einen Bericht von einem Straßenfest in Berlin, wo ein junger Zauberer auf einer Freilichtbühne eine endlose Tücherkette aus seinem Hosenschlitz produzierte.
 
Früher hätten Agenturen, die einen solchen Zaubertrickvorführer vermittelten großen Ärger bekommen. Gut renommierte Agenturen werden Derartiges sicher auch heute nicht vermitteln.
 
Aber sie wissen selbst am besten, liebe Leser, wie es mit Agenturen und Agenten hierzulande jetzt in der freien Marktwirtschaft bestellt ist. Für sehr viele von ihnen ist es sehr oft ein zweitrangiger, zusätzlicher Nebenjob, den man eben so, also ohne große Fachkenntnis, praktiziert. Hat man einen guten Draht zu solchen Agenten, gibt es auch kein Gagengeheimnis mehr, und so mancher Künstler hat sich schon sehr darüber gewundert, was er dort in der Korrespondenz seiner Kollegen erfahren konnte. Erstklassige Agenturen, welche ausschließlich von ihrer Arbeit leben, unterscheiden sich da wohltuend.
 
Eine entscheidende und heftig diskutierte Frage ist, ob ein Künstler ein Dienstleistender sein kann. Ebenfalls sehr umstritten ist seine Stellung und Verantwortung dem Staat und der Gesellschaft gegenüber. ln totalitären Systemen kann das Spannungsfeld zwischen Staat und Künstler sehr groß sein. Es ist hier aber leichter, Position zu beziehen und eigene Standpunkte zu vertreten, da immer ein uniformer Ansprechpartner vorhanden ist, auf den man sich einstellen kann. In der DDR wurden zwischen Künstlern und Politikern oftmals Gespräche über diese gesellschaftliche Verantwortung der Künstler geführt. Ich erinnere mich beispielsweise an eine sehr lebhafte Diskussion um die Einbindung prominenter Künstler in das Staatssystem des 3. Reiches.
 
Meine Grundhaltung dazu unterstreicht das Recht und die Pflicht des Künstlers ausschließlich dem Menschen gegenüber. Systemkonforme Kunstaufträge sind immer fragwürdig, wenn diese nicht auch der Kunstauffassung und Überzeugung des Künstlers entsprechen. Um es deutlicher zu machen: Jeder Künstler hat das Recht (und die Pflicht!), seine Kunst auch in totalitären Staaten zu praktizieren, wenn er damit auch seine eigene Kunstauffassung vertreten kann. Eine Verweigerung dem System gegenüber bedeutet andererseits aber auch immer eine Verweigerung den Menschen gegenüber, die in diesem Staat leben. Demzufolge sind die Menschen in diesen Staaten noch vorrangiger (wenn zumeist auch unbewusst) auf den Künstler angewiesen, und eine solche Haltung ist deshalb immer auch eine Gewissensentscheidung des Künstlers.
 
Um es ganz deutlich zu machen: Ein Kunstwerk ist immer ein Kunstwerk, weil Kunst sich aus ganz bestimmten Kriterien herleitet. Es ist völlig uninteressant, in welcher Gesellschaftsordnung es entstanden ist. Panzerkreuzer Potemkin wird von führenden Filmkritikern als einer der besten Filme aller Zeiten bezeichnet und kam aus einem totalitären Staat. So gäbe es hier auch noch viele weitere Beispiele aus anderen Kunstbereichen.
Hier ist es sehr wichtig, junge Menschen mit diesen Kriterien rechtzeitig vertraut zu machen. Wenn Zauberkunst auch von den Organisationen, die sich mit dieser Kunst befassen, als Kunst akzeptiert wird, ist die nächste Aufgabe schon vorgezeichnet. Dann nämlich wäre auch zu begreifen, dass Kunst (und auch Zauberkunst ist Kunst) weiterreichende Aufgabenstellungen verlangt. Denken Sie mal darüber nach!


 Frage: Gibt es echte Zauberstäbe, Zaubersprüche und Hexen?
 
Aberglaube 
 
Trickerklärungen
 
Immer wieder kommen bei mir Anfragen mit der Bitte um Trickerklärungen. Dazu ist generell folgendes zu sagen. Es ist nicht Aufgabe dieser Seiten Zaubertricks zu erklären. Die Aufgabenstellung ist eine völlig andere. Deshalb werden auf diesen Seiten niemals Zaubertricks erklärt werden.
 
Wer wirklich das Zaubern erlernen möchte, dem seien die Adressen von Zaubergerätehändlern und die Zauberbücher empfohlen, welche auch in Zauber.de abrufbar sind. Dort findet der Anfänger die Informationen, welche ihm weiterhelfen werden.
 
Zauberstäbe
 
Of bekomme ich auch Anfragen nach Zauberstäben. Selbstverständlich kann man die in jedem Zaubergeschäft kaufen. Meinen Zauberstab habe ich mir aus ein Stück Rundholz selbst gebastelt, welches ich schwarz, mit weißen Enden angestrichen habe. Wer jedoch glaubt mit einem Zauberstab wirklich zaubern zu können, der sollte es zuerst mit seinem Besenstiel zu Hause versuchen. Der Erfolg ist der gleiche. Es gibt nämlich keine Zauberstäbe, welche von selbst zaubern können und Wünsche erfüllen.
 
Zaubersprüche
 
Das gleiche gilt für Zaubersprüche. Es gibt keine Zaubersprüche, welche von selbst wirken können und Wünsche erfüllen. Das ist frommes Wunschdenken und kommt nur in Filmen und bei altmodischen Zauberkünstlern zur Ablenkung vom eigentlichen Trickgeschehen noch vor.
 
Hexen
 
Genau so wie es keine echten Zauberer gibt, gibt es auch keine echten Hexen. Ich habe in meinem Leben zwar schon Hunderte selbsternannte Hexen erlebt, denn dieses Attribut kann sich jeder selbst zulegen. Mir ist jedoch noch niemals eine sogenannte Hexe begegnet, welcher es möglich war einen Fachmann zu überzeugen. Meistens ist es oft auch nur eine Abzocke von gutgläubigen Dummköpfen, welche so leicht um ihr Geld gebracht werden können.
 
Wer mehr über Hexen wissen möchte, deren Stellung im Mittelalter etc., lese bitte ernsthafte weiterführende Literatur.
 
Ich bitte alle ernsthaften Fachleute um Entschuldigung für diese Zeilen. Aber ich bekomme leider sehr oft Anfragen von Menschen, die wirklich ernsthaft an Zauberer, Hexen, an selbst wirkende Sprüche und Zauberstäbe glauben. Ich hielt es erst selbst nicht für möglich, aber es ist wirklich so.


 Frage: Du bist in der Magier-Szene auch als der humanistische Magier bekannt geworden. Wie Hast Du dieses Image erreicht?
 
Vom prinzipiellen Umgang mit Gewalt in der Kunst
 
In neuerer Zeit werde ich von Zauberfreunden recht oft um meinen allgemein bekannten Standpunkten in Sachen Gewalt angesprochen. Insbesondere die jüngeren Magier sind von diesem Standpunkt begeistert und möchten nun am liebsten daraus einem Kreuzzug in der magischen Szene starten. Bei aller Hochachtung und Wertschätzung vor diesen (nicht nur Tricks vorführenden, sondern auch verantwortungsvoll denkenden) Menschen mahne ich aber dennoch zur unbedingt notwendigen Toleranz den anderen gegenüber.
 
Wenn ich jede Form der Gewaltdarstellung aus meiner Show verbannt hatte, so ist das mein ganz persönlicher Standpunkt. Oberstes Gebot dabei ist die Achtung vor Menschen und Tieren; eigentlich selbstverständlich, jedoch vor allem eine Frage der Glaubwürdigkeit. In dieser Konsequenz konnte in meiner Darbietung auch kein Platz für Horroreffekte sein, also kein Zersägen, Verbrennen, Durchschießen, Enthaupten etc, von Tieren und Menschen. Aber auch die Mittel, mit denen Lebewesen verletzt und getötet werden können, waren deshalb bei mir tabu. Es gibt also auch keine Tricks mit Pistolen, Messern, Kanonen, Gewehren, Degen, und anderen Kriegs- und Mordwaffen. Meine Show ist immer dem Gedanken des Humanismus zutiefst verwurzelt gewesen. Und diese Aussage war für mich noch entscheidender als eine effektvolle Trickgestaltung.
 
Diese, meine Grundprinzipien, sind aber nur für den Bereich der eigenen Show gültig gewesen. Sie beschreiben die eigene Arbeit, gaben dem Veranstalter und Agenten verlässliche Hilfslinien für den Einsatz dieser Darbietung und die sichere Garantie, mit diesen Shows immer ein Zeichen gegen Gewalt setzen zu können, wenn sie auf die Darstellung derselben in ihren Programmen wirklich verzichten wollten.
 
Aber genau so klar, wie ich diesen Standpunkt formuliere, genau so deutlich sage ich, dass dies mein Standpunkt (und nur mein Standpunkt) ist. Und jederzeit werde ich mich auch für diejenigen Magier einsetzen, die eine entgegen gesetzte künstlerische Linie vertreten. So, wie ich das Recht habe, meinen persönlichen Standpunkt zum Zwecke der eigenen Glaubwürdigkeit auch in meiner Arbeit durchzusetzen, genauso hat auch jeder andere das Recht, seine künstlerischen Auffassungen zu vertreten.
 
Wenn man sich jedoch erst einmal entschieden hat, muss dieser Entschluss auch glaubwürdig und prinzipiell sein. Ich erinnere mich an eine Diskussion über die Interpretation eines Magiers mit der Kreissäge, bei der ziemlich viel Blut geflossen ist. Ich persönlich hielt diese Vorführung als die glaubwürdigste Variante, denn so sieht es eben wirklich aus, wenn ein Mensch zersägt wird. Absolut lächerlich dagegen wirkt es, wenn es bei der entsprechenden Handlung einer Zersäge-Illusion wie Holz oder Pappe klingt. Also ist doch die Entscheidung nur, es entweder richtig zu machen, oder diesen Trick ganz zu lassen.
 
Um aber nicht missverstanden zu werden, ich rede hier nicht von der künstlerischen Interpretation und deren Wertung. Das wäre dann wieder ein völlig anderes Thema.
   "ICH BIN GEGEN JEDE ART VON GEWALT UND LEHNE DIESE AB".
 
Dies galt für damals und gilt auch für heute. Jeder muss sich selbst prüfen, welchen Zielen er dient und ob er diese mit seinem Gewissen verantworten kann. Es ist also erlaubt, in einer Darbietung durch Trickauswahl und Vorführung jeder Gewalt abzuschwören. Nur durch konsequenten Verzicht auf diese Art von Experimenten konnte ich meine geistige und moralische Haltung in einer Synthese absoluter Gewaltfreiheit dokumentieren und glaubhaft machen.
 
Ich bin aber auch von Herzen Magier und demzufolge auch ein Fan von vielen großartigen Künstlern, welche Gewaltszenen in ihren Shows präsentieren. Ich denke beispielsweise auch an die hervorragende Parodie der KreissägeIllusion von Kalanag im Operationssaal oder an die großartigen Interpretationen vieler führender Künstler, u.a. also an Copperfield, an Siegfried & Roy, um nur einige zu nennen. Um wie viel ärmer wären diese Shows (und die gesamte Welt der Magie) ohne diese sehr effektvollen Tricks.
 
Demzufolge können Entscheidungen und Standpunkte immer nur den eigenen Bereich betreffen. Wer gegen Gewalt ist, muss dies selbstverständlich auch in seinen Darbietungen praktizieren, wenn er glaubwürdig bleiben will. Niemals darf aber diese, seine Entscheidung die künstlerische Arbeit der Andersdenkenden beeinträchtigen. Deshalb meine Aufforderung:
 
TOLERIERT AUCH GEGENSÄTZLICHE KUNSTAUFFASSUNGEN, ALS DAS RECHT DES ANDERSDENKENDEN.
 
Selbstverständlich ist es immer sehr tragisch, wenn zuschauende Kinder durch ungekonntes Nachahmen gesehener magischer Effekte experimenteller Gewalt zu Schaden oder gar zu Tode kommen. Wir alle kennen diese Berichte. Es stellt sich daher die Frage nach der unbewussten Mitverantwortung der Künstler durch Schaffung entsprechender idealisierter Vorbildfunktionen. Kein gewissenhafter Magier kann diesen Fragen ausweichen. Sie stehen im Raum.
 
Lasst die Hoffnung Wahrheit werden
Gebt den Menschen Menschlichkeit


 Frage: Dein erster Kontakt mit der Zauberszene entstand über die Firma Zauberkönig. Kannst Du darüber näheres mitteilen?
 
Bereits vor über 100 Jahren wird ein Geschäft "Zum Zauberkönig" erwähnt, zwar noch nicht in Berlin, sondern in Wien , Mariengasse 4, gegründet von der Familie Leichtmann, wahrscheinlich Spielwarenhändler. Der bekannte Schriftsteller Horvath hat in seinen Wiener Geschichten diesem Firmennamen ein literarisches Denkmal gesetzt.
 
Nach dem Untergang dieses Geschäftes eröffnete dann 1884 eine Leichtmann-Tochter mit Herrn Mösch in München ebenfalls eine Firma mit dem Namen "Zauberkönig". Und im gleichen Jahr gründete dann schließlich die zweite Leichtmann-Tochter mit Herrn Krohner den "Zauberkönig" unter der historischen Adresse Berlin SW 86, Friedrichstraße 54. Diesen Zauberkönig-Gründungen schloss sich wenig später mit der dritten Leichtmann Tochter und dem Zauberkünstler Janos Bartl die Gründung der Firma Bartl & Willmann an. Daraus wurde schließlich das "Zauberzentrum Janos Bartl"."Zauberkönig" Berlin SW 86, Friedrichstraße 54
 
In unmittelbarer Nähe des Zauberkönigs lag der Berliner Wintergarten, ein Weltstadt-Variete. Und so kamen immer wieder Artisten auf einen Sprung rüber, um Erfahrungen auszutauschen, Neues zu sehen oder Neuheiten aus aller Welt mitzubringen. Um das Jahr 1900 war es deshalb kein Wunder, dass in der Friedrichstraße drei Zauberapparatehändler gleichzeitig ihre Geschäfte betrieben: "Rudolf Music" in der Passage Nr. 13, der "Zauberkönig" in der Friedrichstr. 54 und "Horsters Akademie für magische Kunst' in der Friedrichstraße 202.
 
Und da man in den nahegelegenen Restaurationen Cafe Zielka, im Faun, in der Scala, im Plaza, in Carows Lachbühne, im KadeKo und bei allen Bühnenshows in den großen Filmtheatern und den unzähligen Kleinkunstbühnen ebenfalls ständig viele Magier engagierte, gab sich auch jeder die Ehre, nach seinem Auftritt den "Zauberkönig" zu besuchen. Aber solch ein Fachgeschäft war nicht nur der Treffpunkt erfahrener Künstler, sondern dort begannen auch die ersten Schritte. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Regina Schmidt seinerzeit durch viele Veranstaltungen späteren Größen der Magie auf den Weg geholfen hat. Charell und Wizardo sind nur zwei der Namen, welche später mit ihrer sehr erfolgreichen Show die Welt bereisten und ihre ersten Schritte bei Regina Schmidt erlernten.
 
Aber damit war das Wachsen der "Zauberkönig"-Kette noch nicht beendet; denn vor '75 Jahren begann mit einem weiteren Mitglied dieser Familie der "Zauberkönig" in Köln. Und etwa 1930 wurde diesem Familienunternehmen der "Zauberkönig" Wiesbaden hinzugefügt. Dieses Geschäft endete etwa im Jahre 1990 durch Verkauf des Hauses.
 
In Berlin übernahm dann Regina Schmidt (nach der arisierung) mit ihrem Mann den "Zauberkönig" und führte ihn 45 Jahre sogar durch die schwierigen Kriegswirren hindurch, die oft Lager und Geschäft zerstörten. Ich lernte Frau Regina Schmidt im Jahre 1946/47 kennen. Als sehr begeisterter Zauberlehrling stand ich oft vor den faszinierenden Auslagen des "Zauberkönig" in der Friedrichstraße 54, unmittelbar an der damals noch offenen Grenze zu den Berliner Westsektoren. Die Geräte und Wunderdinge wurden damals bei Regina Schmidt meist noch in Kommission für andere Magier neben eigenen alten Beständen verkauft. Wie fast alle Kunden hatte auch ich sehr bald ein sehr gutes Verhältnis zu Frau Schmidt gefunden.
 
Über Nacht jedoch wurde dieses Geschäft als Westbesitz durch die Machthaber der DDR ersatzlos enteignet und besetzt. Regina Schmidt war gezwungen, alles stehen und liegen zu lassen und die Räume sofort zu verlassen. Ihr Mann, damals gerade mit dem Auto unterwegs, erfuhr davon durch Kunden, die sich in der Nähe des Geschäftes postierten, ihn bei seiner Rückkehr anhielten und über den Hergang der Enteignung berichteten. Dadurch war es ihm damals noch möglich, wenigsten das Auto zu retten. Er wendete sofort und fuhr nach Westberlin zurück. Diese einschneidende Zwangsmaßnahme muss die Familie Schmidt damals tief getroffen haben, aber niemals hat sie dies in ihrem Verhältnis zu ihren Ostkunden spüren lassen.
 
Im Jahre 1952 entstand dann schließlich ein neues Geschäft in Berlin-Neukölln, Herrmannstr. 84-90.
Als Zauberer aus dem Osten bekamen wir jetzt immer 10-20% Rabatt auf die Zaubergeräte, welche sie nun in Neukölln herstellte und vertrieb. Eine menschliche Größe, welche mir noch heute den tiefsten Respekt abnötigt.
 
Ich kaufte damals aus dem von Regina Schmidt veräußerten Nachlass Cortinis silberne (voll verchromte) erscheinende Stöcke.
 
Nach dem Tod von Regina Schmidt übernahm Günter Klepke dann aus den Händen von Georg Schmidt die Geschäftsführung. 1982 hat er sich den Namen "Zauberkönig" auch als Künstlernamen beim MZvD schützen lassen. Inzwischen hat seine Tochter das Geschäft übernommen.